Sachbuchautoren schreiben am liebsten die Zahl ab, die sich am leichtesten merken lässt.
Stellen Sie sich ein Manuskript über gesundes Altern vor. In Kapitel 1 steht sinngemäß: Ab dem fünfzigsten Lebensjahr sei rund jeder Dritte vom altersbedingten Muskelschwund betroffen. Rund, einprägsam, und seit Jahren wandert sie durch Ratgeber und Vorträge. Das macht mich vorsichtig.
Ich lasse PubMed aktuelle Übersichtsarbeiten liefern. Ein Sprachmodell legt deren Zahlen neben die Aussage im Manuskript. Im Volltext prüfe ich, für welches Altersfenster die jeweilige Prävalenz erhoben wurde. Alle drei laufen parallel.
Gepoolt beträgt die Prävalenz bei den über 60-Jährigen rund 20,7 Prozent (PMID 39161853). Nach Alter getrennt ergibt sich:
- 60–69 Jahre: 15,7 Prozent, weniger als die Hälfte von jedem Dritten
- 70–79 Jahre: 27,2 Prozent, weiterhin darunter
- ab 80 Jahre: 45,4 Prozent, erst hier ist ein Drittel überschritten
Die 33 Prozent aus dem Manuskript beziehen sich damit auf Menschen, die dreißig Jahre älter sind als die im Kapitel genannten. Bleibt der Satz unverändert, beschreibt eine richtige Zahl die falsche Gruppe.
Was daraus im Kapitel wird, entscheide nicht ich. Ich gebe den Befund weiter, mit den Zahlen und den Arbeiten dazu. Der Autor kann die Altersangabe korrigieren, die Aussage streichen oder anders argumentieren. Wollte er zeigen, dass auch Jüngere breit betroffen sind, trägt die Studienlage das nicht.
Ohne die Bedingung, unter der sie gilt, liefert eine Zahl keine brauchbare Auskunft. Wer sie übernimmt, zitiert Erinnerung statt Studie.
Greifen Sie sich die drei rundesten Zahlen aus Ihrem ersten Kapitel heraus und suchen Sie zu jeder, an wem, wo und wann sie gemessen wurde. Unter Ihrem Namen stehen sie ohnehin. Nur ungeprüft werden sie zum Risiko.
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Ich entwickle mit Fachautoren fachlich belastbare Sachbücher in einer KI-gestützten, durchgehend kuratierten Buchproduktion; bis zum quellengeprüften, lektoratsreifen Manuskript.