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LinkedIn-Beitrag vom 2. September 2026

Dr. Christof Schürmann

Drei Stellen im Kapitel waren von Hand gefunden. Der Prüflauf meldete keine davon.

Gesucht war Nähe zu einer fremden Vorlage, und zurück kam ein leerer Bericht.

Die drei Stellen standen trotzdem da. Was sie verband, war der Weg durch den Stoff. Eine davon sieht so aus: Beide Fassungen fangen mit der Patientin an, die sagt, sie esse doch gar nichts Süßes. Beide erklären danach den Langzeitwert im Blut. Beide enden mit derselben Pointe über das tägliche Brot.

Genau das findet ein Zeichenketten-Vergleich nicht. Er meldet, wo dieselben Wörter in derselben Reihenfolge stehen. Abgeschriebenes findet er zuverlässig, nur ist Abschreiben selten das Problem, bei Texten aus Sprachmodellen praktisch nie.

Eine semantische Suche hilft nur bedingt. Sie misst Themennähe, und zwei Kapitel über denselben Stoff liegen immer nah beieinander. Die Reihenfolge sieht sie nicht.

Auch das Gesetz zählt nicht. Seit 2021 steht in Paragraf 23 des Urheberrechtsgesetzes, dass ein neuer Text frei ist, sobald er genug Abstand zur Vorlage hält. Gerichte prüfen das mit einer Frage: Verblasst das Übernommene neben dem, was der neue Text selbst ist?

Die Frage, die trägt, lautet deshalb anders. Lässt sich die Gedankenfolge der Vorlage danebenlegen und fast synchron mitlesen? Sie richtet sich an ein ganzes Kapitel statt an Satzpaare.

Beantworten kann sie ein Sprachmodell, und es braucht dafür eine einzige Voraussetzung: Jeder Absatz muss wissen, aus welcher Quelle er stammt. Steht diese Zuordnung, wird Absatz gegen Vorlage gelesen statt Zeichen gegen Zeichen. Genau so prüfe ich.

Jedes Prüfwerkzeug hält man zuerst gegen Stellen, die man kennt. Findet es die nicht, weiß man, was ein leerer Bericht wert ist.

Ab wann wird aus der Beeinflussung, die zu jedem Schreiben gehört, eine Übernahme?

#Sachbuch

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