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LinkedIn-Beitrag vom 29. Juli 2026

Dr. Christof Schürmann

Drei Wochen nach der Rohfassung fand ein zweites System sechs Widersprüche in meinem Roman. In zehn Minuten, für 22 Cent.

Es war auf Verfassungsrecht spezialisiert und konnte das ganze Manuskript auf einmal überblicken. Der auffälligste Fund betraf Mehmet Özkan, einen Vorarbeiter bei einem Stuttgarter Automobilkonzern: Sein rechtlicher Status hatte sich zwischen Kapitel 7, 17 und 19 stillschweigend verschoben, ohne dass es mir beim Schreiben aufgefallen war. Ein Widerspruch, der sich über drei Kapitel langsam eingeschlichen hatte.

Zu jedem der sechs Funde lagen drei Lösungsvorschläge bereit, jeder mit Begründung, jeder für sich stimmig. Nur welcher von ihnen die Geschichte trägt, konnte mir das System nicht abnehmen. Ich entschied mich für die Variante, in der Mehmet heute deutscher Staatsbürger ist, bedroht durch eine künftige Gesetzesänderung nach Artikel 116. So stieg die Spannung, statt sich aufzulösen.

So arbeite ich seither: erst schreiben, dann einen zweiten, fremden Blick über das fertige Manuskript laufen lassen, der findet, was man selbst längst überliest. Was dabei herauskommt, ist eine Vorlage zur Entscheidung, nicht die Entscheidung selbst. Die trifft der Autor.

Wer liest Ihr Manuskript auf solche inneren Widersprüche, bevor es der Verlag oder am Ende ein Rezensent tut?

#Buchproduktion

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