← Alle Beiträge aus dem LinkedIn-Feed

LinkedIn-Beitrag vom 28. Juli 2026

Dr. Christof Schürmann

Ich dachte lange, das größte Problem mit KI im Schreiben sei das Halluzinieren. Das stimmt sogar. Es ist nur nicht das eigentliche.

Eine erfundene Quelle ist laut: Man bemerkt sie beim Prüfen und streicht sie wieder. Schwerer wiegt, was gar nicht erst auftaucht. Die KI schöpft aus einer vorgeformten Auswahl, in der die Mehrheitsmeinung glatt und prominent liegt, während die abseitige Position selten vorkommt oder ganz fehlt. Das Kapitel liest sich danach rund und belegt, und trotzdem fehlt ihm die Reibung, die es über den Durchschnitt gehoben hätte.

Ich habe mir die sechs Vorwürfe der Reihe nach angesehen, die man KI-Autorschaft üblicherweise macht. Fünf davon treffen jeden Autor, der unter Zeitdruck steht und nur begrenzten Zugang zu Quellen hat, ganz gleich ob mit KI oder ohne. Übrig bleibt einer, der wirklich nur die KI betrifft: der enge Korridor dessen, was sie überhaupt kennt.

Das verschiebt, wo man ansetzen muss. Nicht noch eine Kontrollschleife über die KI-Ausgabe, sondern die gezielte Suche nach den Stimmen, die in keinem ihrer Vorschläge standen.

Bei meiner eigenen Quellenarbeit frage ich deshalb an einem festen Punkt: Welche Perspektive hat die KI mir nie angeboten? Die Belege, für die man bis auf die dritte Trefferseite gräbt, tragen am Ende oft mehr als alles, was sofort oben lag.

Woran merken Sie in Ihrem Manuskript, dass eine wichtige Gegenstimme fehlt, obwohl jeder Satz sauber belegt ist?

#Sachbuch

Grafik zum Beitrag vom 28. Juli 2026