Was prüft Ihr Lektor, wenn „Resilienz” in Kapitel 2 später „Widerstandsfähigkeit” heißt?
In den seltensten Fällen fällt es überhaupt auf. Ein Lektorat achtet auf Klarheit, Logik und Ton. Ob ein einmal definierter Fachbegriff über alle Kapitel hinweg dieselbe Form behält, steht nicht auf seiner Liste. Und die KI, die beim Schreiben hilft, variiert Begriffe ganz von selbst, weil Synonyme zu ihrem erlernten Repertoire gehören. Technisch ist das kein Fehler. So produzieren diese Modelle eben Sprache.
Mir ist das bei „Der agile Autor” passiert. In Kapitel 2 war der Kernbegriff sauber eingeführt und abgegrenzt, in Kapitel 5 stand an seiner Stelle ein Synonym. Nicht grob falsch, nur nicht mehr dieselbe Form. In einem Methoden-Buch, das von seinem eigenen Vokabular lebt, untergräbt genau das die Substanz.
Aufgefallen sind mir die Stellen erst, als ich die Terminologie in einem eigenen Durchgang geprüft habe, getrennt vom Lektorat. Das Ergebnis korrigiert nichts. Es zeigt nur, wo es klemmt: Kapitel, Stelle, der Begriff wie er dasteht und wie er definiert war. Welche Abweichung ich vereinheitliche und welche ich stehen lasse, habe ich danach selbst entschieden, zum ersten Mal auf geprüfter Grundlage statt nach Gefühl.
In meinen aktuellen Projekten läuft dieser Abgleich inzwischen fest zwischen Lektorat und Abgabe. Vorher weiß niemand, wie viele Begriffe im Manuskript leise auseinandergelaufen sind.
Bei einem Methoden-Buch entscheidet diese Konsistenz über die Substanz. Gezielt darum kümmert sich bisher fast nie jemand, und das merkt man dem fertigen Text an.
#Buchproduktion