Eine Anmerkung klebte am falschen Absatz. Gemerkt hat es niemand, bis es zu spät war.
In einer Überarbeitungsrunde markiert der Lektor einen Absatz: „Beleg fehlt.” Später wird dieser Absatz geteilt, weil er zu lang geworden ist. Die Anmerkung bleibt am ersten Teil hängen. Gemeint war der zweite. Im nächsten Durchgang wird der erste Teil geprüft, für in Ordnung befunden, und der eigentliche Hinweis ist verschwunden. Niemand hat etwas falsch gemacht. Der Beleg fehlt bis heute.
Das passiert, weil eine Anmerkung sich auf die Stelle im Text bezieht, nicht auf den Absatz selbst. Sobald sich die Struktur verschiebt, durch Teilen oder Umstellen, zeigt der Hinweis ins Leere. Bei mehreren Runden und mehreren Personen am selben Manuskript summieren sich solche verlorenen Hinweise zu Fehlern, die niemand mehr zuordnen kann.
Geholfen hat eine schlichte Regel: Jeder Absatz bekommt eine feste Kennung, die bei ihm bleibt, auch wenn er geteilt oder verschoben wird. Eine Anmerkung hängt dann nicht mehr an einer Position, sondern an genau diesem Absatz. Anfangs war das in unseren Vorlagen nicht vorgesehen. Heute ist es Pflicht, bevor die erste Runde beginnt.
Als ich anfing, so zu arbeiten, war das der erste strukturelle Einschnitt: nicht ein besseres Lektorat, sondern die Frage, ob jeder Absatz eindeutig benannt ist, bevor der erste Hinweis geschrieben wird.
Wenn bei Ihrem letzten Buchprojekt eine Anmerkung aus der ersten Runde am Ende nicht umgesetzt war: Hätten Sie noch nachvollziehen können, an welchem Absatz sie ursprünglich hing?
#Buchproduktion