„Die KI schrieb neunzehn Wörter. Ich nahm eines.”
Ein KI-Entwurf für den Schlusssatz eines Kapitels. Vier Sätze auf dem Bildschirm, jeder mit Anker, jeder rhythmisch sauber: „Tomorrow. Tomorrow we start. Tomorrow we fight. Tomorrow we win or die trying.” Nichts davon ist falsch, nichts davon zu beanstanden.
Ich lese es einmal, dann noch einmal, und dann löscht die Hand, bevor der Kopf fertig gedacht hat. Übrig bleibt ein Wort: „Morgen.” Mehr braucht der Absatz nicht, mehr braucht die Seite nicht. Dann wird die Datei gespeichert.
Die KI kann Pathos. Sie kann keine Zurückhaltung.
Das ist kein Stilprinzip, das sich erklären ließe, sondern eine Entscheidung, die jemand treffen muss, der weiß, wann etwas zu viel ist. Wer „Morgen” wählt statt neunzehn Wörter, hat nicht weniger gearbeitet. Er hat mehr entschieden. Das ist Urteilskraft, keine Kürzungsübung.
Bei jedem Buch, das über meinen Tisch geht, ist genau dieser Moment der kritische: nicht ob der KI-Vorschlag fachlich stimmt, sondern ob jemand den Mut hat, ihn kürzer zu machen. Die KI schlägt selten das Weglassen vor; sie ist auf Hinzufügen gebaut. Das bleibt die Arbeit des Autors.
Woran merken Sie beim Überarbeiten, dass ein KI-Vorschlag zwar korrekt ist, aber ein Wort zu viele hat?
#Autorschaft