„Nicht belegt”, sagte die Prüfung. Die Quelle stand drei Sätze weiter oben, im selben Absatz.
In einem gesundheitsbezogenen Fachbuch entstehen medizinische Aussagen selten aus einem einzigen Satz. Ein Absatz enthält Beobachtung, Wirkmechanismus, Studienlage und Einschränkung. Alles zusammen ergibt die Aussage. Wer nur einen einzelnen Satz herauslöst und ihn allein prüft, verliert genau das, was ihn stützt oder widerlegt: den Kontext davor und danach. Dasselbe Prüfwerkzeug, andere Schnittführung, anderes Urteil.
Ein Sprachmodell mit sehr großem Lesefenster liest das gesamte Kapitel auf einmal. Kein Herausschneiden, keine Kontextlücke. Dann zwei getrennte Schritte: zuerst alle Aussagen aus dem Kapitel aufsammeln, je mit ihrer Art, dann jede Aussage gegen die verwendeten Quellen abgleichen. Das Ergebnis pro Aussage ist kein Ja oder Nein, sondern ein Eintrag: verifiziert, teilweise, offen oder nicht belegbar.
Was danach bleibt: die falschen „nicht belegt”-Einträge verschwinden. Was übrig bleibt, sind echte Lücken, die wirklich zu schließen sind.
In meiner Arbeit an Fachbüchern geht keine Aussage ohne ihren ganzen Absatz in die Prüfung. Seitdem ist die Zahl der falschen „nicht belegt”-Befunde vor der Lektorats-Runde deutlich kleiner.
Wie fein schneiden Sie medizinische Aussagen für die Prüfung zu: auf Satz-Ebene, Absatz-Ebene oder Kapitel-Ebene, und hat die Schnittführung schon einmal ein Urteil verändert?
Methodische Einordnung, keine Rechts- und keine medizinische Beratung. Für Ihre konkrete Situation: Fachanwalt und Fachmediziner einschalten.
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