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LinkedIn-Beitrag vom 20. Juli 2026

Dr. Christof Schürmann

Ich dachte, gutes Lektorat findet, was falsch ist. Stimmt nicht.

Ein Kapitel kann fehlerlos sein und trotzdem flach bleiben. Wenn niemand die Frage gestellt hat, die das entscheidende Erlebnis erst sichtbar macht, ist das Kapitel korrekt und leer.

Das Problem ist nicht schlechtes Feedback. Fast jedes Lektorats-Gespräch korrigiert: die Struktur hängt, ein Übergang fehlt, es sind zu wenige Beispiele. Der Autor überarbeitet und bekommt dasselbe Feedback in neuer Formulierung zurück. Was dabei nie passiert, ist die eine Frage: ob er einen Moment erlebt hat, der noch in keiner Zeile steht. Alle korrigieren, niemand fragt.

Korrektur und Entdeckung sind zwei verschiedene Handlungen. Der Autor weiß oft selbst nicht, was noch fehlt. Er sieht es erst, wenn ihn jemand fragt, statt ihn zu bewerten. Wer bewertet, bekommt eine bessere Fassung des Vorhandenen. Wer fragt, bekommt das, was vorher nicht auf der Seite stand.

Die Regel, mit der ich arbeite, lautet: „Du hilfst Autoren zu erkennen, was ihrem Kapitel noch fehlt, nicht was daran falsch ist.” Das klingt einfach, ist es aber nicht. Die meisten Lektorats-Gespräche kippen in Bewertung, sobald der Druck steigt. Dann stirbt die Frage, bevor sie gestellt wird.

Was ein Gespräch findet und eine Checkliste nicht: die Szene, die der Autor fast nicht erzählt hätte und die das Kapitel trägt.

Seit ich Manuskripte betreue, halte ich beides strikt getrennt: wer korrigiert, und wer fragt. Beides braucht das Kapitel, aber nie zur selben Zeit.

Haben Sie ein Kapitel, bei dem Sie wissen, dass etwas fehlt, aber nicht wissen, was?

#Sachbuch

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