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LinkedIn-Beitrag vom 8. Juli 2026

Dr. Christof Schürmann

„Bin ich noch Autor, wenn ich nicht jeden Satz selbst schreibe?”

Diese Frage stellt sich fast jeder, der KI zum ersten Mal ernsthaft einsetzt. Meistens nicht schon beim ersten Ausprobieren, sondern in dem Moment, in dem das Projekt ernst wird.

Katrin sitzt nach einem langen Praxistag vor dem Laptop und liest einen Abschnitt, den sie nicht selbst getippt hat. Inhaltlich stimmt er, die Fakten passen, und trotzdem fühlt er sich nicht an wie ihrer. Sie ändert vier Sätze, löscht zwei und schreibt einen neu. Dann hält sie inne und fragt sich, ob das Buch, das nächstes Jahr erscheint, überhaupt noch ihres ist.

Ich kenne diesen Moment. Beim Schreiben von „Wenn die Demokratie stirbt” saß ich nicht allein am Schreibtisch. Ich arbeitete in einer Art Denkraum, der zurückantwortet. Welches Bild dazu passt, wurde mir erst später klar: der Dirigent und sein Orchester.

Der Dirigent spielt kein Instrument selbst, aber er kennt die Partitur besser als jeder Musiker im Saal. Kein Takt erklingt ohne sein Ja oder Nein, und die Verantwortung für das, was am Ende zu hören ist, trägt er allein.

Dieses Bild soll nichts beschönigen, es beschreibt eine Rolle. Wer sein Buch bis in jeden Satz kennt und zu jeder Zeile Ja oder Nein sagt, der schreibt dieses Buch, auch wenn nicht jede Zeile aus der eigenen Hand stammt. Damit verliert die Frage, ob man dann noch Autor ist, ihren Schrecken. Sie wird zu einer Frage über das Werkzeug, mit dem man arbeitet.

Wer das für sich geklärt hat, kann es auch nach außen vertreten, nicht als Entschuldigung, sondern als Haltung.

Woran entscheiden Sie, welcher Satz in Ihrem Buch so stehen bleibt und welcher noch einmal durch Ihre Hand muss?

#Autorschaft

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