Ein Lektor verbessert Ihren Stil. Und macht Ihr Manuskript unter Umständen gefährlicher.
Kapitel 7 war sprachlich poliert, die Übergänge saßen, die Absätze hatten Luft. Dann kam das Abgabegespräch beim Verlag, und mit ihm eine Frage zur Studie im zweiten Absatz. Mareike suchte den Beleg, fand ihn nicht und suchte an anderer Stelle noch einmal. Die Studie existierte in dieser Form nicht.
Der Lektor hatte saubere Arbeit geleistet, nur eben auf einer inhaltlich falschen Grundlage. Die Fakten waren ungeprüft geblieben, während die Formulierungen verfeinert wurden. Nun musste beides ein zweites Mal durchlaufen, diesmal in der richtigen Reihenfolge: erst die Fakten, dann der Stil.
Wer diese Reihenfolge umdreht, zahlt am Ende doppelt, einmal für das Lektorat und einmal für die Korrektur nach dem Faktencheck. Und die zweite Runde kommt oft erst Wochen später, wenn der Lektor längst am nächsten Projekt sitzt.
Dahinter steckt kein Sorgfaltsproblem, sondern eine Frage des Ablaufs. Solange der Faktencheck als fester Stopp-Punkt vor dem ersten Lektorats-Schritt steht, kann kein Stil-Kommentar mehr auf einer falschen Behauptung landen. Diese eine Regel schützt beides, die Arbeit des Lektors und das Manuskript.
Wenn ich ein Sachbuch durch die Produktion begleite, kommt der Faktencheck bewusst zuerst. Erst wenn er abgeschlossen ist, beginnt die Arbeit am Stil, nie umgekehrt.
In welcher Reihenfolge laufen Faktencheck und Lektorat bei Ihrem aktuellen Buchprojekt, und wer trägt die Verantwortung, wenn beides einmal vertauscht ist?
#Sachbuch