An meinem Manuskript gelernt: wer alles prüft, prüft nichts mit Tiefe.
Für Kapitel 1 von „Wenn die Demokratie stirbt” hatte ich einen einzelnen Lektor-Auftrag formuliert, der alles auf einmal prüfen sollte: Argumentation, Belege, Stil, Lesefluss. Das Ergebnis war ein Bericht, in dem kleine Stil-Glättungen die strukturellen Brüche optisch überdeckten. Reviewer lesen solche Berichte selektiv. Sie greifen, was leicht zu fixen ist. Die schweren Befunde bleiben drin, bis im Verlagsgespräch jemand fragt.
Die Korrektur war eine Trennung in zwei Schritte mit eigener Abnahme. Erst Struktur-Lektorat. Dann Stil-Lektorat auf dem strukturell bereinigten Text. Plus ein eigener Schluss-Lauf, der pro Befund prüft, ob die finale Fassung die Empfehlung aufgenommen hat. Pro Befund eine Notiz: angenommen oder bewusst verworfen.
Die Befund-für-Befund-Notiz wird später zum Dokument, das vor der Transparenz-Pflicht des EU-KI-Gesetzes ab August 2026 standhält. Sie zeigt, welche Entscheidungen ich als Autor getroffen habe.
Wie notieren Sie pro Lektor-Empfehlung Ihre Entscheidung: übernommen oder verworfen?